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Vor hundert Jahren schlossen Marx und Engels das                                  A m ste rd am , Christiania, B udapest, Zürich u. a.).                              aus. Damit w aren a b e r die Verbindungen nicht
die Massen aufrüttelnde „Kommunistische Manifest"                                 Hier w u rd e n in g e m e in s a m e r B e ratu ng d ie le b e n s ­               a b g e riss e n . Im G e g e n te il: G e r a d e d ie G e w e r k ­
mit den W o rte n : „P roletarier aller Länder vereinigt                          wichtigen nationalen und internationalen A nge­                                     schafter w aren im Z u sam m enhang mit ihren inter­
euch". Diese A ufforderung enthielt nicht nur den                                 legenheiten der Gewerkschaften behandelt: Koa­                                      nationalen Verbindungen ein wesentlicher Faktor
G edanken des Klassenkampfes — geboren aus                                        litionsrecht, d. h. d a s Recht d e s Z usam m ensch lu sses                        im u n t e r i r d i s c h e n K a m p f g e g e n H itler. Es sei h i e r
dem unbeschreiblichen sozialen Elend, das der                                     zur W ahrnehm ung beruflicher und sozialer Inter­                                   nur an die N am en W ilhelm Leuschner (Freie G e ­
kapitalistische M ißbrauch d e r Freiheitsrechte mit                              essen, Regelung der Arbeitszeit (Achtstundentag),                                   w erkschaften), Ja k o b Kaiser (Christliche G ew erk ­
sich g e b ra c h t hat. Sie enthielt auch die Erkenntnis,                        Mindestlöhne, Sozialversicherung, Frauen-, Kinder-                                  schaften) erinnert.
d aß die Schaffung einer harmonischen, klassenlosen                               und Jugendschutz usw.                                                               Nach dem zweiten W eltkrieg w aren die G ew erk­
G esellschaft sich über die nationalen G renzen hin­                              Diese Arbeit w urde durch den ersten W elt­                                         schaften die ersten, die die Internationale w ieder­
w eg im internationalen Raume vollziehen muß.                                     krieg jäh unterbrochen. Obgleich auch die Frage                                     h erstellten. Im H e rb st 1945 w u r d e in Paris d e r W e l t ­
Dreißig Jahre vor dem Erscheinen des „Kommu­                                      einer Verweigerung der Erzeugung und Be­                                            gewerkschaftsbund gegründet, dem 70 O rgan isatio ­
nistischen M anifest", im Ja h re 1818, hatte d er e n g ­                        förderung von Munition G egenstand internatio­                                      nen in 52 Ländern mit in sg e sam t 66 Millionen M it­
lische Philosoph Robert O w e n , d er mit Recht als                              naler Vereinbarungen der Gewerkschaften v/ar,                                       gliedern angehören. Die baldige A ufnahm e der
ein V orläufer des m odernen Sozialismus gilt, m                                  erw iesen sjch . die Bande internationaler Soli­                                    d eu ts c h e n G e w e r k s c h a fte n ist in Aussicht g e n o m m e n .
ein er D enkschrift an die in A ach e n v ersa m m e lte n                        d arität zu schwach g e g e n ü b e r dem Irrsinn d er                              D er W e ltg e w e rk s c h a fts b u n d ist im Vergleich zu d em
Vertreter der „Heiligen Allianz" zwischenstaatliche                               nationalistischen Sturmflut. Trotzdem h aben w ä h ­                                früheren Internationalen Gewerkschaftsbund uni­
M aßnahm en gefordert zum Schutze von Frauen                                      rend des ersten W eltkrieges auf dem W ege über                                     versaler, d a ihm sow ohl die am erikanischen C JO -
 un d K in d ern in d e r Industrie. In e in e m l e b e n s ­                    die G ew erkschaften neutraler Länder immer Ver­                                    Gewerkschaften als auch die Gewerkschaften der
 langen Kampfe um die primitivsten G rundsätze                                    bindungen bestanden, die nach Kriegsende w ieder                                    S ow jetunion a n g e h ö re n . A llerdings ist d e r W e lt­
 g esetzlich en A rbeitsschutzes in E ngland w a r e r zu                         neu g ek n ü p ft w u rd en . So w u rd e im S om m er 1919                         gewerkschaftsbund w eniger hom ogen als es der
 der Erkenntnis gekom m en, d aß die gleichzeitige                                in A m ste rd am d e r I n t e r n a t i o n a l e G e ­                            In te rn a tio n a le G e w e r k s c h a fts b u n d w a r . Er b e r u h t
 und gleichartige Durchführung solcher 'Schutzm aß­                               w e r k s c h a f t s b u n d gegründet, dem die G e­                               a u f d e m in allen Ländern noch se h r um strittenen
 n a h m e n in allen industriellen L ändern zugleich                             w erkschaftsbünde vieler Länder mit nahezu 15 Mil­                                  G rundsatz des Industrieverbandes, bei dem die
 notw endig sei, w enn sie wirksam sein sollten.                                   lionen Mitgliedern angehörten. D aneben bestanden                                  fachlichen und beruflichen Interessen w en ig er im
 W aru m ? Die Kapitalisten behaupteten, der Ar­                                  zahlreiche Berufssekretariate fast aller Fach­                                      V ordergrund stehen, als dies ihrer Bedeutung nach
 beitsschutz verteuere die Produktion und ^führe                                   g e w e r k s c h a f t e n , w i e z. B. d i e I n t e r n a t i o n a l e d e r  erwünscht w äre. Aus diesem G ru n d e ist es sehr
 d am it zur V erm in d eru n g d e s Exports und in d e r                         M etallarbeiter, der Holzarbeiter, der Keram-                                      zu begrüßen, d aß die internationalen Berufssekre­
 weiteren Folge zur Arbeitslosigkeit. Dieser Kreis­                               Arbeiter, der Fabrikarbeiter usw. Der Allgemeine                                    ta r ia te auch in Zukunft als A rb e ite rfa c h -In te rn a tio ­
                                                                                   Deutsche G ew erkschaftsbund mit seinen 5 Millionen                                nale weiter bestehen w erden. Dazu kommt, d aß
 lauf m ache den g an zen Arbeitsschutz illusorisch,                               M itgliedern w ar eine der wesentlichsten Stützen                                  auch der W eltgewerkschaftsbund unter dem ver­
 w e n n nicht die K onkurrenten in d e n a n d e r e n Län­                       des Internationalen G ew erkschaftsbundes. Auch                                    hängnisvollen G e g e n s a tz leidet, d e r sich aus den
 dern die gleichen sozialen Lasten zu tragen hätten.                               die christlichen G ew erkschaften hatten eine inter­                                unterschiedlichen Auffassungen der W eltm ächte
 Die in d e r z w e iten H älfte d e s 19. Ja h rh u n d e rts                                                                                                         über Art und W esen der Demokratie ergibt. So­
 immer mehr erstarkenden Gewerkschaften der                                         nationale Gewerkschaftsorganisation, die eben­                                     la n g e nicht in allen Ländern einheitliche A u f­
 wichtigsten Industrieländer haben daher frühzeitig                                falls durch internationale Berufssekretariate ergänzt                              fassungen über die Freiheit der Person, die Koa­
 die Bedeutung internationaler Zusam m enarbeit ei-                                w u r d e . In d e r I n te rn a tio n a le n A r b e its o r g a n is a tio n      litionsfreiheit, das Streikrecht und an dere w esent­
 kannt. Die ersten Schritte dazu w urden auf der                                   des Völkerbundes w aren die Gewerkschaften bei                                      liche V oraussetzungen gewerkschaftlicher Betäti­
 vom parlam entarischen Komitee des englischen                                     der Aufstellung internationaler Arbeitsübereinkom­                                 gung bestehen, wird der W eltgewerkschaftsbund
 G ew e rk s c h a fts k o n g re ss e s im Ja h re 1888 nach Lon­                 men maßgeblich beteiligt.                                                          trotz seiner zahlenm äßigen Stärke und seiner Uni­
 d on einberufenen K onferenz unternom m en. Ihr                                   Nach der brutalen Zerschlagung der G ew erk­                                       versalität an der vollen Entfaltung seiner Kraft
 folgten zahlreiche internationale Gewerkschafts­                                  schaften durch den Hitlerterror schied Deutsch­                                     im m er b e h in d e rt sein»
 tag u n g en (Paris, K openhagen, Stuttgart, Dublin,                              land aus dem internationalen Gewerkschaftsleben

A u fg a b e n b e i m w irtsc h a ß lieh en W ie d e r a u fb a u D e u tsch la n d s A d o l f K u m m e r n u s s , Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, H am burg

Bis z u m J a h r e 1933 s a h e n d i e G e w e r k s c h a f t e n in           Gegenspieler der Gewerkschaften, die wirtschafts­                                   sich nicht um den G e s a m tk o m p le x d e r W irtschaft
D eu tschland ihre H a u p t a u f g a b e in d e r R egelun g                    politischen und politischen O rganisationen des                                     kümmert.
der Löhne und tarifpolitischen A ngelegenheiten                                   Unternehmertums, bereits so starke Positionen b e ­
ihrer Mitglieder, außerdem beeinflußten sie stark                                 zogen hatten, d aß der Versuch der G ew erk­                                        Die G ew erkschaften verlangen deshalb, d aß sie
d ie S o z i a l p o l i t i k ; sie w a r e n d u rc h ihre V e r t r e te r in  schaften, in d e r W irtsch aft Einfluß zu g ew in n en ,                           a u f die Produktion den ihr geb ü h ren d en Einfluß
allen Selbstverwaltungs-Körperschaften der Sozial­                                erfolglos bleiben mußte.                                                            erhalten. G rundlage der Produktion muß die echte
                                                                                                                                                                      Bedarfsdeckung sein. A ußerdem wollen die G e ­
versicherung vertreten. Um die W irtschaft küm m er­                              Beim N e u a u fb a u d er G ew erkschaften im Ja h re 1945                         w e rk sc h a fte n durch ihre M itw irkung in d e r W ir t­
ten sie sich erst um den A usgang d er zw anziger                                 stand neben der Frage der Lohn- und Sozialpolitik                                   schaft auch die Preisgestaltung maßgeblich beein­
J a h re . In d ie s e n J a h r e n e n ts ta n d d ie Diskussion                die Frage der deutschen Wirtschaft. Aus den                                         flussen. Sie verlangen aus diesen und vielen
ü b e r d i e W i r t s c h a f t s d e m o k r a t i e . Es w a r d e r          Ja h re n nach 1918 und beso n d ers nach 1933 hab en                               a n d e r e n G rü n d e n in d e n n eu z u b ild e n d e n W ir t­
schw ach e Versuch d e r G e w e rk s c h a fte n , sich in d a s                 die neuen Gewerkschaften erkannt, daß G ew erk­                                     schaftskammern gleichberechtigt und paritätisch
wirtschaftspolitische Geschehen Deutschlands ein­                                 sc h a fts a rb e it nur h a lb e A rb e it ist, w e n n sie
zuschalten. D ab ei ist festzustellen, d a ß die                                                                                                                      mitzuwirken.

D ie G ew issensfrage M i n n a A m a n n                                         b e k e n n t sich zu d e r einheitlichen G e w e rk sc h a fts­                    allzu stark unter dem Einfluß einer Partei, und sie
                                                                                  bew egung. Allerdings erw artet er, d aß die G e ­                                  versuch en , d ie G e w e rk s c h a fts fra g e n im Sinne d e r
Bei d e m W i e d e r a u f b a u d e r G e w e r k s c h a f t e n h a b e n     w erk sch a ften sich a u f ihr A u fg a b e n g e b ie t b e ­                     radikal marxistischen Auffassung zu beeinflussen.
sich d ie V e rtre te r a ller frü h eren Richtungen für die                      s c h rä n k e n , d. h. d ie F ra g e n , d ie sich a u s d e m                    Die A nhänger der ehem aligen christlichen G ew erk­
Schaffung einer ein heitlichen Gewerkschaft ausge­                                Arbeitsleben unmittelbar ergeben, zu regeln suchen.                                 schaften stehen dadurch oft vor der Gewissens­
sprochen. V orbereitet wurde diese einheitliche G e ­                             Seine politische H e im a t findet e r in d e r Partei, die                         frage, ob eine einheitliche G ewerkschaftsbewegung
w e r k s c h a fts b e w e g u n g in d e n J a h re n d e r illegalen           seiner W eltanschauung entspricht. Von den G e ­                                    unter diesen Umständen überhaupt durchführbar
Zusam m enarbeit der führenden M änner und Frauen                                 werkschaften verlangt er die Beachtung der Ü ber­                                   ist. Die Z eiten und d a s politische G e s c h e h e n sind
aus den freien, christlichen und Hirsch-Duncker-                                  parteilichkeit und in den religiösen Fragen die                                     zu aufgewühlt, so d a ß eine letzte Beantwortung
schen Gewerkschaften. Aus dem erschütternden                                      Einhaltung unbedingter Toleranz.                                                    in d ie s e r F ra g e noch nicht möglich ist. T o le ra n z
Erleben der N azizeit w ar die Erkenntnis gewachsen,                                                                                                                  verlangt eine große Überzeugung für die Sache.
d aß die Arbeitnehm er zur W ahrung ihrer wirt­                                   Es l ä ß t sich nicht ü b e r s e h e n , d a ß d i e s e G r u n d ­               O b es gelingt, in D eutschland ein e g r o ß e G e w e r k ­
schaftlichen und sozialen Interessen starke G ew erk­                             pfeiler d er einheitlichen G ew erkschaften njcht                                   schaftsbew egung zu schaffen, hängt davon ab, d aß
schaften benötigen. Diese wirtschaftlichen und b e­                               immer und überall Beachtung finden. Die G ew erk ­                                  Führung und Mitglieder Partei und Gewerkschaften
ruflichen Fragen berühren jeden im A rbeitsleben                                  schaften namentlich der O stz o n e und Berlins stehen                              besser als bisher voneinander trennen.
ste h e n d e n in gleich er W e is e .
Auch der christlich-demokratische Arbeitnehm er
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