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J e d e r A rb eitende sollte sich verpflichtet fühlen,                           uns darstellt, d a rf uns nicht von d e r M itgliedschaft                      einer parteipolitisch g eb undenen G ruppe zu sichern,
einer Gewerkschaft anzugehören, um durch seine                                    und M itarb eit in d e n ein zeln en Industrie- und A n ­                      muß die Einheit der deutschen G ew erkschafts­
M tgliedschaft die Bestrebungen der G ew erkschaf­                                gestelltenverbänden abhalten.                                                  bewegung ernsthaft gefährden. Nur selbständige
ten ideell und materiell zu unterstützen. Der                                     Die N e u g rü n d u n g d e r G e w e rk sc h a fte n vollzog sich            O rganisationen der Arbeiter und Angestellten, die
Abseitsstehende schwächt die Kampfkraft der                                       in allen Z o n e n mit d e m Ziel, d ie bis zum J a h r e 1933                 sich •freiwillig im FDGB vereinigen, schaffen die
O rganisation, ohne daran zu denken, d aß er selbst                               v orhandene Aufsplitterung nach politischen und w elt­                         Voraussetzung für einen Zusammenschluß über
N u tz n ie ß e r a ller E rru n g enschaften ist, w ie sie im                    anschaulichen Gesichtspunkten zu überwinden. Dies                              Zonengrenzen hinweg.
A chtstundentag, dem Urlaubsanspruch, dem Tarif-                                  wird nur erreicht w erden, wenn der Wille der Mit­                             Diese Auffassung der unabhängigen dem okrati­
M in d e s tg e h a lt u. ä. bereits v o r h a n d e n sind. Selbst               gliedschaft sich durch Beachtung dem okratischer                               schen G e w e r k s c h a fte r in Berlin findet au ch ihre
d ie A uffassu ng, d a ß d e r FDGB in se in e r h eu tig e n                     Spielregeln G eltung verschafft. Zentralistische Len­                          S tütze in d e r Entwicklung d e r G e w e r k s c h a fte n in
G estalt nicht die g eeig n ete O rg an isatio n sfo rm für                       kung von ob en mit d er Absicht, die Vorm achtstellung                         W est- und Süddeutschland.

D ie neuen freien G ew erkschaften B e r n h a r d G ö r i n g , 2. V orsitzender des FDGB in der sowje isch besetzten Zone

D er FDGB in d e r sow jetisch b e s e tz te n Z o n e und                        P erioden in d e r V ergangenheit, die g e ra d e diese                        Die sich im m er w ied erh o len d en B ehauptungen,
Berlins b e to n t in d e r Einleitung se in er S atzu n g ,                      A uffassung ad absurdum geführt haben. Die                                     d a ß d er FDGB Groß-Berlins von einer nicht nach
d a ß d ie Freien G e w e rk s c h a fte n in D eutschland d ie                   g ro ß e W eltw irtschaftskrise d e r Ja h re 1930 bis 1933                    dem Willen der Mitglieder arbeitenden und einem
A ufhebung jeder Form kapitalistischer A usbeutung                                hat vor den Angestellten, den leitenden Angestell­                             einseitig ein g estellte n V o rsta n d v e r w a lte t w ird, ist
e rstre b e n und sich als Ziel die sozialistische O r d ­                        ten und geistig Schaffenden nicht halt gemacht.                                unrichtig. Die Verfechter dieser falschen Auf­
nung der W irtschaft setzen. Mit dieser Zielsetzung                               Es w a r e n d i e G e w e r k s c h a f t e n , d ie d a m a l s fü r d ie    fassung wissen sehr g en au , d a ß im FDGB G roß-
und in Erkenntnis d e r b e s o n d e r e n deu tsch en                           älteren Angestellten ein Schutzgesetz forderten,                               Berlin so w o h l in politischer als auch g e w e rk sc h a ft­
Situation ä n d e rt sich g e g e n ü b e r früher auch die                       d a s a u c h a n g e n o m m e n w o r d e n ist.                             licher Hinsicht Personen an der Spitze stehen, die
M ethode der gewerkschaftlichen Arbeit. So w er­                                                                                                                 die vorhandenen Ström ungen politisch und gew erk­
d e n in d e n v o lk se ig e n en B etrieben und in d en                         Das Schicksal d e r A rbeitnehm er in Deutschland                              schaftlich repräsentieren.
Ländern Deutschlands, in den en bereits die V o rau s­                            hängt auch gegenw ärtig davon ab, ob es gelingt,
setzung für eine wirklich p lanm äßige dem okratische                             den W illen dieser Millionen in einer gem einsam en                            Die g egen den FDGB Groß-Berlin selbst gerichteten
W irtsc h a ft g e g e b e n ist, d ie W e r k t ä t i g e n v o n sich           O rganisation zu konzentrieren. Das gilt sowohl                                Angriffe sind im Hinblick au f seine Arbeit absurd.
aus interessiert sein, d a ß diese W irtschaft sich so                            für d e n Einfluß, d e r in D eutschland selbst n o tw e n d ig                Der FDGB Groß-Berlin m uß sich heute sow ohl um
schnell wie möglich günstig entwickelt. Damit wird                                ist, als a u ch für d ie E in flußnahm e a u f d ie W e l t ­                  die Fragen der Ernährung der W erktätigen, als
d ie P ro d uktionssteigerung in d iesem Teil d e r W irt­                        öffentlichkeit. In d ie s e m Z u s a m m e n h a n g w ird d e r              auch um die Fragen ihrer Bekleidung und um viele
schaft als wichtigste Voraussetzung für die Besser­                               Beitritt d e r deutschen G ew erkschaften zum W e lt­                          andere Einzelfragen kümmern.
gestaltung der Lebenshaltung der W erktätigen                                     gewerkschaftsbund von besonderer Bedeutung
angesehen.                                                                        sein. Die Vertreter des FDGB für die sowjetisch                                Für alle Schaffenden Deutschlands ist eine einheit­
                                                                                  b esetzte Z one und Berlins setzen sich zur Zeit                               liche und kam eradschaftliche M einungsbildung über
Es g e h ö r t z u d e r w i c h t i g s t e n E rk e n n tn is d e r G e ­       dafür ein, d a ß die V oraussetzungen für diesen                               die künftige gesam te Entwicklung dringendst er­
werkschaftsbewegung, d aß der einzelne Arbeiter,                                  b e r e i t s a u f d e r G e n e r a l r a t s s i t z u n g d e s W G B in   forderlich. Den G ew erkschaften wird für die Einheit
d er Angestellte oder der geistig Schaffende seine                                 Prag im Prinzip beschlossenen Beitritt so schnell                             Deutschlands, für die Demokratisierung Deutsch­
 Interessen a m zw e c k m ä ß ig s te n nur in d e r K oalition                  a ls m öglich g e s c h a ffe n w e r d e n . Ein e rs te s Er­                lands, für die Verbesserung der materiellen Lage
aller Schaffenden vertritt. Zweifellos g ab und gibt                              fo rd e rn is ist die Bildung eines d eu tschen G e w e r k ­                  der W erktätigen die wichtigste A ufgabe zufallen.
 e s b e s o n d e r s in d e n Kreisen d e r b e id e n zuletzt                  schaftszentrums, das auf einem allgemeinen deut­                               Alle verantwortlichen G ewerkschafter, gan z gleich,
 genannten G ruppen noch viele Menschen, die der                                  schen Gewerkschaftskongreß, der auf Grund                                       in w elch er Z o n e sie tätig sind, w e r d e n zu g e m e in ­
 M einung sind, sie könnten ihre Interessen besser                                demokratischer W ahlen Zustandekommen muß, ge­                                 sam er Arbeit verpflichtet sein.
 i n d i v i d u e l l , d . h. p e r s ö n l i c h v e r t r e t e n . Es g a b
                                                                                  schaffen wird.

Aus einer Zuschrift                                                               Vorherrschaft einer politischen Partei erschlichen                             W ie kann bei einer solchen Praxis noch von der
                                                                                  w ird . Ich bin e b e n f a l l s nicht d a m i t e i n v e r s t a n d e n ,  Einheit der G ew erkschaften die Rede sein. Da der
. . . v o n je h e r v e r tr e te ich d e n S ta n d p u n k t, d a ß            d a ß die G ew erkschaften sich mit gew erkschafts­                            dem okratische W ille der M itglieder nicht respek­
sich jeder Schaffende ohne Rücksicht a u f Konfes­                                                                                                               tiert wird, zögen es viele von uns vor, die Konse­
sion und W eltanschauung gewerkschaftlich o rg a­                                 fremden A ufgaben befassen — und zw ar zum                                     quenz aus einer unhaltbar gew ordenen Situation
nisieren muß. Die staatsbürgerliche Dem okratie                                   Zweck politischer Beeinflussung — wie der Ver­                                 z u z i e h e n . Es s t e h t un s nich t n u r d a s K o a l i t i o n s ­
muß durch die W irtschaftsdem okratie ergänzt w er­                               teilung von G em üse, Textilien und anderen G e ­                              recht, sondern auch die Koalitionsfreiheit zu. W ir
d en. Das Instrument d azu soll die G ew erkschaft                                brauchsgütern, die ja nur der Gesam tverteilung                                hielten es deshalb für an der Zeit, die Einheits­
sein.                                                                             durch die W irtschaftsäm ter entzogen w erden, oder                            gewerkschaft zu verlassen, um uns diejenigen
Ich v erste h e , d a ß die E in h e itsg ew erk sch aft g e g e n ­              d a ß sie durch politische Streiks w ie in Frankreich                          V erbände aufzubauen, die unabhängig von der
über den früheren, nach politischen und konfessio­                                und Italien dazu beitragen, die den Frieden g e ­                              Parteipolitik die wirklichen, wirtschaftlichen,
nellen Bekenntnissen getrennten Gewerkschaften                                    fährdenden G egensätze zwischen den G roß­                                     sozialen und beruflichen Interessen ihrer Mitglieder
e in e n Fortschritt darstellt. Ich bin a b e r nicht d a m it                    mächten zu verschärfen.                                                        wahrnehmen.
e in v e rsta n d e n , d a ß in d iesen G e w e r k s c h a fte n durch
Satzungen, über die wir nicht b efra g t w urden, die

Schlußwort W a l t e r W e g n e r                                                                                Strudels d e r Geschehnisse und d er A useinandersetzungen. Sie w erd en ihm
                                                                                                                  nur e n tg e h e n , w e n n sie sich, ihrer gesellschaftlichen Funktion b e w u ß t, in ihrem
Die bis 1933 politisch, w eltanschaulich und organisatorisch getrennt v o n ­                                     W irk e n eine w eise B eschränkung a u fe rle g e n und sich stä n d ig b em ü h en , d a s
e i n a n d e r a r b e ite n d e n G e w e rk s c h a fte n h ä tte n sich 1945 nicht in e in e r ein h eit­     allen Arbeitenden Gem einsam e dem Trennenden voranzustellen.
lichen Bewegung zusam m engefunden, g ä b e es für sie keine G em einsam keiten.                                  D as setzt v o rau s, d a ß je d e r in d e n G e w e rk s c h a fte n w irk e n d e F unk tio när d e n
Der dam als gefundenen organisatorischen Einheit muß jedoch noch die geistige                                     W illen z u r T o le ra n z un d d ie Freiheit s e in e r E ntscheidung hat. In d e n n o t­
Einigung folgen.                                                                                                  w endigen A useinandersetzungen d arf der A ndersdenkende nicht beschimpft

D iese Einigung w ird noch la n g e ein P ro z e ß sein. Auch in d e n frü h eren                                 oder gar verdächtigt, sondern muß überzeugt werden.
G ew erkschaften, die 1933 durch Hitler „gleichgeschaltet" w urden, g ab es                                       G e r a d e weil in d e r Je tz tz e it die wirtschaftlichen F ragen V o rrangstellung
A useinandersetzungen. Damals ging es ebenso wie heute um die beste                                               h a b e n , weil die so z ialen P ro b le m e g r ö ß e r und b r e n n e n d e r d en n je in d er
organisatorische Form, um die A ufgabenstellung und um die M ethoden des                                          d eu tschen G eschichte sind, kom m t d e n G e w e rk s c h a fte n in d ieser Situation
gewerkschaftlichen Kampfes. Weil die dam aligen Gewerkschaften der ver­                                           ein e b e s o n d e re B e d eu tu n g zu. Ihnen ist d a m it ein e b e s o n d e r e V e ra n tw o rtu n g
s c h ie d e n e n Richtungen in sich h o m o g e n w a r e n , rüttelten auch noch so                            auferlegt. Sie w erd en ihr nur gerecht w erd en können, w enn sie u n ­
heftige A useinandersetzungen niemals an ihrem Bestand. Die heutige                                               a b h ä n g i g von jeder Macht o d er Partei sind, f r e i von parteipolitischen,
Situation ist w eit gefährlicher.                                                                                 weltanschaulichen und konfessionellen Bindungen ihre auf d e m o k r a t i s c h e
                                                                                                                  Art gefundenen Entscheidungen treffen. W er die Gewerkschaften zum W erk­
Ein Blick a u f d ie g r o ß e Politik l ä ß t u ns d ie G e f a h r e r k e n n e n . V o r B e e n d i g u n g  zeug einer Partei o d e r zu einem Instrument des S taates m achen will, verkennt
d e s Krieges und kurze Zeit nach seinem Schluß g a b e n sich in D eutschland                                    ihre gesellschaftliche Funktion, versündigt sich an ihrem G eist und trennt,
 Politiker und Parteien und in d e r W e lt M ächte Versprechen und trafen                                        w as zusammengehört.
A b red en , die heute leider nicht m ehr ihre volle W irksam keit haben. Die
 G ew erkschaften als e i n gesellschaftlicher Faktor sind inmitten des großen

                                                                                  t
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