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leichte Kost, nur „einen schönen Roman", ve r­
                                                                                                                                           langen, höchstens fü r Lebensbeschreibungen und
                                                                                                                                           Reisebüchern zu gew innen sind. A ber m it dem
                                                                                                                                           Kitsch ist es h ie r dasselbe w ie a u f a nderen
                                                                                                                                           G e b ie te n : wenn er nicht gemacht w ürde, könnte
                                                                                                                                           e r kein U n heil a nrichten, und deshalb d a rf es
                                                                                                                                           ihn eben nicht g e b e n ! Die g ro ß e B ildu n g sa u fg ab e
                                                                                                                                           muß an der W urzel anfangen.

                                                                                                                                           Die K o n ku rre n z des Films ist kein H indernis, sie

                                   Von S U S A N N E SU RR                                                                                 kann sogar befruchtend w irken. Manche Frau mag,
                                                                                                                                           vom Film a n g e re g t, zu dem Buch über M a d a m e

                                                                                                                                           C urie o d e r zu Effl Briest gekom m en sein, die ihr

„U n d w ie haben Sie den schönen Som m ersonntag                   Stückchen des d ickleib ig en am erikanischen Romans                   sonst frem d geblieben w ären. Und wenn sie erst
                                                                    w eiterlas, nur eine kurze w ohltuende Viertelstunde                   einm al etwas von der M agie des gedruckten
verbracht?"                                                         eigenen Daseins.                                                       W o rte s g espürt hat, w ird sie ih r nicht m ehr v e r­
                                                                                                                                           lorengehen. Unm erklich w ird ihr auch die Fähig­
„A c h — ich w a r d ra u ß e n und habe den ganzen                                                                                        keit Zuwachsen, die d e r Frau heute am meisten
                                                                                                                                           fehlt, die Fähigkeit zu eigenem U rteil. W ie vie l
Tag gelesen."                                                       Bücher werden ebenso leicht überschätzt wie                            unbekannte Freunde stehen hier fü r die fleiß ige
                                                                                                                                           Leserin b e re it, d ie sie b e le h re n , beglücken — ohne
„H a tte n Sie so spannende Bücher?"                                unterschätzt. Für den Bildungshungrigen und ge­                        sie zu enttäuschen! — stumm e, zu verlässige
„B ücher? W ie s o ? Ich habe doch keine Bücher                                                                                            Freunde — Bücher!
                                                                    rade o ft fü r d ie B ildu n g sh u n grig e kann das Lesen
                                                                                                                                             ^Sucfybßfpredjungen
gelesen, sondern Ä h re n !" — Die fle iß ige Leserin               zum In b eg riff ihres Strebens w e rde n ; die Bücher
                                                                                                                                                   BÜCHER VON DER JUGEND
von heute samm elt ebenso m aterielle w ie ideelle                  sind die gehüteten Sym bole der ersehnten Zu­
                                                                                                               kunft. Und umgekehrt w ird                 a u s A m e r i k a und E n g l a n d
Lesefrüchte. Lesen — dazu
                                                                       das Buch als überflüssi-                                            W illia m M a x w e ll: „Junges Blatt am Baum" —
gehört ebenso Ähren­                                                                                                                                       Denton W elch: „Jungfernreise".
                                                                       ger Luxus und das Lesen
lesen, Holzlesen, Beeren­                                                                                                                  Jugend — sie w a r im m er ein Problem d e r Erwach­
                                                                       als Schmökern verpönt,                                               senen und ist es heute m ehr denn je. Das Problem
lesen. Und stamm t nicht                                                                                                                    unserer durch den K rieg ge g an g e n e n Jugend ist so
                                                                       fü r das die Zeit nutz-                                              g e w a ltig , da ß sich noch kein D ichter fa n d , d e r es
schließlich auch der ur­                                                                                                                    ge staltete. V ie lleicht lie g t es auch d aran , daß die
sprüngliche S i n n des W o r­                                         bringender anzuwenden                                                ä ußeren Problem e unseres Lebens m it ihrem- G e ­
                                                                                                                                            w ic h t d ie inneren v ö llig erdrücken. In diesem Z u­
tes Lesen vom „A u s le s e n '                                        sei. Es ist ähnlich w ie                                             sam m enhang ist es interessant, in zw e i erre g e n de n
                                                                                                                                            Romanen ein Bild vom Leben der Jugend anderer
aus dem „verdichteten                                                  m it dem Zeithaben: denn                                             Länder zu bekom m en: W illia m M a x w e ll: „Junges
                                                                                                                                            Blatt am Baum" (Lothar Blanvalet V erlag, Berlin,
In h alt’ der Dichtung?                                                es scheint, als hätte d ie                                           382 S.), und D enton W e lc h : „J u n g fe rn re is e " (C arl
                                                                                                                                            H a b e l V e rla g , Berlin, 334 S.).
A b e r von solchem m a te ri­                                         H älfte des Volkes zuwenig
ellen „Lesebedürfnis" a b ­                                                                                                                 „Junges Blatt am Baum" — Roman der am erikani­
                                                                       Z eit zum Lesen und die                                              schen Jugend — ist d ie Schilderung e in e r Ju n g en ­
                                                                                                                                            freu n d sch a ft. H in te rg ru n d sind Schule und U n iv e r­
gesehen, ist der echte                                                 andere H älfte zu viel,                                              s itä t in und bei C h ik a g o . Da ist Lym ie, schmal,
                                                                                                                                            flachbrüstig, ein guter Lerner, aber schlechter Sport­
Lesehunger stark (auch                                                 viel zuviel Zeit. Manche,                                            ler. Und das K örperliche zählt mehr als das
                                                                                                                                            G e istig e . Er ist scheu und schüchtern und unsicher,
was man schwarz auf                                                    d ie ihre Tage in d u m p ­                                          v o lle r Sehnsucht nach Liebe, vie lle ich t w e il er die
                                                                                                                                            M u tte r frü h ze itig v e rlo r und ihm nur ein gleich­
w e iß besitzt, lä ß t sich g e ­                                      fem W a rten oder mit be­                                            g ü ltig e r Vater blieb, der ein gelegentlicher T rinker
                                                                                                                                            und gelegentlicher Liebhaber z w e ife lh a fte r Frauen
trost nach Hause tragen!),                                             langlosem Schwätzen ve r­                                            ist. Und d e r a n d ere ist Spud, ein ju n g e r H erkules —
                                                                                                                                            e r trä u m t gern von G angsterschlachten, ist „H e ld "
nur haben sich d ie V o r­                                             bringen, hätten so viel                                              seiner Träume, und eine w irkliche Schlägerei macht
aussetzungen und M ö g ­                                                                                                                     ihn müde und glücklich.
                                                                       Zeit, zum Aufnehm en, zum
                                                                                                                                             Ihre Freundschaft hat einen mehr z u fä llig e n als
lichkeiten gew andelt. Das                                             Lesen. Fehlt es nur an                                                b ew uß ten Beginn im Schwim m bassin. Sie w ird g e ­
                                                                                                                                             fe s tig t bei d e r gem einsam en A u fn a h m e in d ie
hat v ie le rle i G ründe. Ein­                                        Lesestoff oder mehr an                                                „B ruderschaft" der Jungen, ein etwas fra g w ü rd ig e r
mal hat das Leben selbst
                                                                       d e r inneren Ruhe zum

so aufregende Romane                                                   Lesen? Lesen ist a n stre n ­

geschrieben, daß man                                                   gende A rb e it, o d e r Lesen

sich das Lesen sparen                                               I  ist unnötiger Luxus —
                                                                       zwischen diesen beiden
kann. Zum an d ere n ist           f                                   Extremen schwankt oft
das g e d ru ckte W o r t in
starkem M aße durch das                                                gerade die Frau. Die

tö n e n d e im Radio und                                              Intensität weiblichen Bil­

v o n d e r Leinw and im                                               dungshungers ist ebenso
Kino ergänzt. Das Schatz-
                                                                       häufig zu treffen w ie die

kästlein deutscher Dich­                                               w eibliche Abneigung ge­

tung kann zum Sonntag-                                                 gen alles G edruckte. A ber
M orgenkaffee genossen
                                                                       es scheint trotzdem , als

w e rd e n , ohne es aus dem                                           sei die Beziehung der
Bücherschrank zu suchen.
                                                                       Frau zum Buch in vielen

Und d ie R om anheldin ist                                             Fällen intim er und in n i­

im Film so le b e n dig, daß                                           ger als beim M ann. W enn
man d ie eigene V orstellungskraft nicht anzustren­
                                                                    sie das W o r t o d e r d ie S itu a tio n im Buch

gen braucht. Statt des Konversationslexikons von                    fin d e t, d ie sie besonders b e rü h rt, d ie ih r e ig e ­

ehemals w ird heute zuerst der R adioapparat an­                    nes H e rz tr ifft, dann w ird sie sich dem Buch

geschafft..                                                         o d e r dem A u to r stärker verbunden fühlen als

V o r allem sind Bücher M an g e lw a re gew orden,                 ein m än nlicher Leser. V ie lle ic h t w ird sie sich

und man kann nicht u n b e d in g t lesen, w as man                 im Kum m er, in d e r H erzensnot d e r V erlassen­

m öchte, sondern das, w as da ist. Deshalb müssen                   heit eher durch ein gutes W o rt einer unsichtbaren
auch Zeitschriften und Zeitungen stärker einsprin-
                                                                    Stim m e im Buch trösten lassen, vie lle ic h t flüchte!

gen als frü h e r — was ohnedies dem schnellebi-                    sie sich, vo n d e r schweren G e g e n w a rt e in g e en g t,

gen Zeittem po entgegenkom m t, ähnlich w ie beim                   le ich te r in den letzten p ri­                                       F o r t s e t z u n g a u f S e i t e 24

Rauchen d ie flü ch tig e Z ig a re tte . Denn zum Lesen            va te n Bezirk, in d ie Stille

g e h ört Zeit. Und haben w ir denn Zeit? Hat                       des Lesens. W e r das einm al

die m it d e r prim itivsten Sorge fü r den A llta g so             erlebt hat, welcher Trost und

überbürdete Frau heute Z eit zum Lesen?                             w elche K ra ft in schweren

W enn man sie fra g t, w ürde sie a n tw o rte n : Zeit             Situationen aus dem Schatz               Z eichnungen: Jo Schumann
zum Lesen? W o d enken Sie hin, höchstens mal                       strömen kann, den das
zw ischendurch und z u fä llig . A b e r schon d ie Er­             Lesen in unseren G e d an ke n
fahrungen der Leihbüchereien und die Statistiken                    speichert, w er die M elodie
der Bibliotheken zeigen die Lesefreudigkeit gerade                  eines G edichtes, die K larheit
d e r Frauen — o b w o h l auch die so sachliche sta­               eines Satzes dann aus sei­
tistische Zahl hier täuschen kann, w e il ja der                    nem K o p f o d e r seinem
Frauenanteil in der Bevölkerungszahl ohnedies                       Schrank holen konnte, der
ü b e rw ie g t. Ich denke an d ie junge Frau, d ie , im            hat es je n e r-v e rz a u b e rn d e n
G edränge des überfüllten Vorortzuges schaukelnd,                   T ätigkeit zu danken, die
ihre vo lle Einkaufstasche zwischen die Füße ge­                    keiner anderen vergleichbar
kle m m t, in tie fe r K o n z e n tra tio n ih r Buch las. Ich     ist: dem Lesen.
de n ke an d ie Frau, d ie sich in system atischer V e r­
bissenheit selbständig in die volksw irtschaftliche                  D a bei ist d ie G e fa h r, sich
L ite ra tu r e in a rb e ite te (sie h a tte einen N a tio n a l­  in eine falsche Illu sio n sw e lt
ö k o n o m e n zum Freund!). Ich denke an d ie Frau,               zu flüchten, picht so groß,
d ie spät in d e r N acht, w enn d ie ganze Fam ilie                w ie sie meist dargesteH t
schlief, sich im Sessel zu sa m m e n ro llte und ein               w ird . Z w ar klagen alle
                                                                    Büchereien, daß Frauen gern
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