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Von einfa cher H e rkun ft, Lan darbeiter,             Sein ganzes p o litis c h sehr bew egtes                                           U rsprünglich Ingenieur, dann als N ach­             D ozeift fü r K u ltu rp h ilo s o p h ie an der
Postm eister, Rechtsanw alt und M itg lie d            Leben la n g w a r der französische Phi­                                           fo lg e r seines Vaters Präsident der AEG,           Technischen H ochschule H a n n o ve r, K ri­
d e r L e g is la tu r in Illin o is , setzte sich     losoph, P a rte ifü h re r und A b ge o rd n e te                                  in den Jahren nach dem ersten W e lt­                tike r, P ublizist und w irkungsstarke r
A b r a h a m L i n c o l n fü r eine starke           der D eputiertenkam m er J e a n J a u r e s                                       k rie g Reichsm inister fü r den W ie d e r­         W a n d e rre d n e r, setzte sich T h e o d o r
Bundesregierung N o rd a m e rik a s und               e in K ä m p fe r fü r d ie Rechte d e r U n te r­                                 a u fb a u und R eichsaußenm inister, sah            L e s s i n g un e rm ü d lich fü r die Rechte
fü r die A u fh e b u n g d e r S klaverei in          drückten, ein Prediger gegen V ö lke r­                                            W a l t h e r R a t h e n a u den W eg zur           d e r Ärm sten, d ie G leichberechtigun g
den Südstaaten e in . Seine W a h l zum                verhetzung. N ie w a r seine le id e n ­                                           G esundun g Deutschlands in d e r w ir t­            der Frauen und die V erständigung
Präsidenten ve ra n la ß te den Süden zum              schaftliche Beredsam keit g rö ß e r als an                                        schaftlichen und politische n Zusam m en­
A b fa ll. Daß die E inigung nur durch                 je nem A b e n d des 29. J u li 1914, d a e r                                      a rb e it von gan z Europa. Der Rück­                unter den V ölkern ein. Auch die Pro­
einen Bruderkrieg zu erzw ingen w a r,                 zum letztenm al v e rz w e ife lt versuchte,                                       versiche run gsvertrag m it R ußland, der            teste und W id e rstä n d e seiner studen­
le g te sich w ie ein schw erer Schatten               das V e rhä ngnis des Krieges zwischen                                             ü b e rra s c h e n d im F rü h ja h r 1922 in Ra­   tischen H ö re r, als er sachlich und
a u f sein Leben und W ir k e n . 1864 zum             Frankreich und Deutschland abzu w en­                                              p a llo abgeschlossen w u rd e , w a r sein          e in d rin g lic h gegen die K a ndid atur
Präsidenten w ie d e rg e w ä h lt, w u rde er         den. Zw ei Tage später peitschten                                                  W e rk. In den M org e n stu n d e n des             H in d e n b u rg s zum Reichspräsidenten zu
kurz nach seinem fe ie rlich e n Einzug                zw ei Schüsse, a b g e fe u e rt von einem                                         22. J u li 1922, a u f d e r F a h rt zu s e in e r  Felde zo g , konnten ih n in diesem
in Richmond w ä h re n d e in e r Festvor­             jungen C h auvin isten, durch das offene                                           A m tsstelle, streckten ihn in d e r K ö nigs­       Z ie l n ich t b e irre n . A ls das D ritte Reich
ste llu n g in d e r O p e r von einem fa n a -        Fenster des R estaurants C ro issa n t in                                          a lle e in B e rlin -G ru n e w a ld d ie Schüsse    ausbrach, g in g er in d ie E m ig ratio n
tisie rte n S ü dstaa tler durch R evolver­            Paris und tra fe n Jaures m itten ins                                              zw e ier natio n a listisch e r F anatiker nie ­     nach Prag. A m 31. A u g u st 1933 w u rd e
schüsse ge tö te t. Ein g a n ze r K o n tin e n t     H erz. Er fie l als erstes O p fe r eines                                          der. M it diesen Schüssen begann das                 er in M a rie n b a d von einem N a tio n a l­
tra u e rte um seinen Besten, d e r das                Krieges, aus dem die W e lt bis heute                                              neue U n glück D eutschlands, das Europa             sozialisten, Beauftragten d er G estapo,
Beste g e w o llt und v ie l G u te s e rre ic h te .  noch nicht zurück in den Frieden fand.                                             in einen zw e iten W e ltk rie g stürzte.            erschossen. Er w a r ih r erstes O p fe r
                                                                                                                                                                                               a u ß e rh a lb d e r deutschen Reichsgrenzen.

Durch gew altlo sen W ide rstand die Freiheit fü r Indien zu
e rrin g e n , w a r das Lebensziel und Lebenswerk des „M a -
h a tm a ", des „M an nes m it der groß en Seele", M o h a n d a
K a r a n d s c h a n d G a n d h i . Fünfzehnm al protestierte
er gegen G e w altm aß n ahm en durch Fasten, m ehrm als g in g
e r ins G e fä n g n is. Die E rfü llu n g seines Lebensziels, ein
fre ie s , sich selbst v e rw a lte n d e s In d ie n , e rle b te e r nicht
m ehr. A m 30. J a n u a r 1948 fe u e rte in m itte n e in e r M e n ­
schenmenge, d ie ihn ju b e ln d u m rin g te , ein ju n g e r a u f­
geh etzter H in d u d re i tö d lic h e Schüsse a u f ihn ab. Der
G e w a ltlo se starb — w elche T ra g ik — den Tod durch G e w a lt.

                                                                         A u fn a h m e n : J llu s (4), T ra n s o c e a n , G . N . S.

                                             Der le tzte — w irk lic h d e r le tzte? — in d e r Reihe d e r
                                             M än n e r, die nach u n b e g re iflic h e r Bestimm ung den Tod
                                             durch d ie Kugel fü r V e rständigung und Frieden starben,
                                             w a r G r a f F o l k e B e r n a d o t t e , W affenstillstands­
                                             u n te rh ä n d le r d e r V ereinten N a tio n e n in P alästina. W erden
                                             d ie K u g e ln , d ie ih n am 17. S e p te m b e r 1948 im K a la m o n -
                                             V ie rte l v o n J e ru s a le m tö d lic h tra fe n , d ie V ö lk e r,_ d ie sich
                                              noch im m er an diesem B rennpunkt politische n W id e rstre its
                                              m it den W a ffe n geg enüberstehen, zu r Besinnnung b rin g e n ?
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