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Du w irst schon sehen, Papa. Ich machte mich au f den W e g , und w ährend ich                 gesehen, doch seine M u tte r berichtete m ir ständig per Telefon in eingehender
                                                                                               zärtlicher W eise über seine fortschreitende Genesung.
durch die Straßen von W ien ging, litt meine Seele Höllenqualen. Die Kastanien                 Ich schlief nicht mehr — ich aß nichts, und eines Tages sagte Papa, indem er
                                                                                               mich be trachtete: Die Kleine ist krank, M am a. W ir müssen sie pflegen. Ich
hatten ihre Kerzen aufgesteckt, der H agedorn blühte. Ich hatte mein kleines                   setzte eine leidende M iene a u f und flü ste rte : Ich habe Heim weh.
                                                                                               Acht Tage später w a r ich w ie d e r in Paris, ohne daß es m ir jedoch gelungen
Frühjahrskostüm an und sagte m ir im m er w ie d e r nachdrücklich: Ich muß Papa               w ar, den Alptraum abzuschütteln. M ein großer Freund Jacques, ein a d op tierter
                                                                                               Cousin, den ich ein Leben lang aus der Ferne be w undert hatte und um seine
einen Mann bringen. Die Besucher der Ausstellung waren sehr elegant. Die                       U n ab hän gigkeit beneidete, sagte eines Abends zu m ir: Laß uns in den „B o is "
                                                                                               gehen. Du siehst traurig aus und brauchst Abwechslung.
hohen Damen der alten M onarchie waren mit vollen Segeln aufgekreuzt.

M an besprach m iß fä llig diese kubistische Kunst. Ein B ildhauer m it einer

Löwenm ähne näherte sich m ir:
— Seit einer V iertelstunde studiere ich Ihr Profil. W o lle n Sie m ir nicht

M odell sitzen?

— M odell wofür?

— Für eine Messalina.
M ir w a r eine ausgezeichnete Erziehung zuteil geworden, aber man hatte

vergessen m ir zu sagen, was eine M essalina sei. Eine M in ute lang b lie b ich

still, dann m urm elte ich v ö llig außer Fassung:

— Ich glau be nicht, daß Papa es erlauben w ird.

Danunsi richtete sich auf, als ob ich ihn g e o h rfe ig t hätte.

— N icht erlauben, fü r mich zu sitzen? A b e r aus welchem Jahrhundert ist

Ihr Vater?

Ich entschuldigte mich freun dlich:
— N ein, nein, Papa kennt gew iß Ihren Nam en, nur w ill er nicht, daß ich

M o d e ll sitze; er w ill, daß ich mich verheirate.

Am nächsten Tag w a ren w ir zu Hause, und ich schenkte gerade einigen
Freunden meiner Eltern Tee ein, als die Türklingel mit Nachdruck läutete.

M eine M u tte r sah heimlich die Liste de r Eingeladenen durch: Ich e rw a rte
keinen mehr, flüsterte sie m ir ins O hr. Kaum hatte sie den Satz beendet, als

die Portiere sich hob und w ir Danunsi in Person a u f de r Schwelle erscheinen

sahen m it w ild e r M ähne und einer Lavalliereschleife um den Hals.

— M ein H err, sagte er und ging au f meinen V a te r zu. Entschuldigen Sie bitte

diesen Ü b e rfa ll. Ich bin de r B ildhauer Danunsi und komme, um Sie um den

K opf Ihrer Tochter, nicht um ihre Hand zu bitten.

A b g e b litz t, w ie d e r einm al ab ge blitzt. Bei ihr, so sagte Papa, geht nichts

w ie bei den anderen. Seitdem man ihn um meinen K op f gebeten hatte,

v e rz w e ife lte er. Ich w a r im mer noch ein junges M ädchen. W ir w a ren nach

de r Schweiz üm gezogen; ich w u rde selbständig und spielte m it Emmerich Tennis.

Da, ein un erw arteter Telefonanruf. H a llo ! H ier ist Emmerichs M utter. Sind
Sie es, Fräulein C läre?

— Ja, ich bin es, g n äd ige Frau.                                                          )

— Stellen Sie sich vo r, mein Sohn ist krank, er ist ve rlo re n ! Machen Sie ihm

eine letzte Freude und besuchen Sie ihn. Er fra g t nur nach Ihnen.

Da h a lf kein Zaudern. Emmerich hatte a u f mich nie den Eindruck eines V e r­                M eine Tante, bei de r ich w ohnte, überw achte mich nur w enig. W ir gingen

liebten gemacht, ab e r vo r dem Tode hatte er ein Recht d a ra u f, mich zu sehen.            zusammen fo rt. Zum erstenmal w a r ich unter v ie r Augen m it einem jungen

Ich machte mich au f den W e g zum Krankenhaus. Ich lie b te Emmerich nicht,                   M ann, und ich bem erkte, daß    Jacques ganz blaue Augenhatte.

und ich schämte mich in de r Rolle, die ich zu spielen im B egriff w a r . . .                 W ir ließen uns unter den blühenden Kastanien nieder — d ie M usik spielte —
W eiße Gänge, Stille, alles frisch gestrichen. Die Tür des Krankenzimmers
                                                                                               die Luft w a r lind — und derFlieder duftete.
öffne t sich, die Krankenschwester verschwindet. Emmerich hebt nicht den
                                                                                               — Und was gedenkst du nun        zu tun? fragte Jacques.
Kopt, a llein seine Augen grüßen mich. Er kann nicht sprechen, w ährend ich
                                                                                               — Hat man dir alles erzählt? w a r meine unruhige Entgegnung.
nach einem W o rt suche. Ich bin von düsteren Gewissensbissen v e rfo lg t; end­
                                                                                               — Nein. W as ist denn passiert?
lich g e lin g t es mir, zu m urm eln:
                                                                                               — Ich bin nicht zu verh eira ten, sagte ich und ließ den K op f sinken.
— Sie w erden w ie d e r gesund w erden.
                                                                                               Jacques w a r fünfzehn Jahre ä lte r als ich. Ich dachte, er müßte den Ernst der

Sogleich hatte ich das G efühl, eine Prophezeiung ausgesprochen zu haben.                      Lage verstehen.
— W enn er gesund w ird , w e rde ich ihn heiraten müssen, e rk lä rte ich meinem
                                                                                               — Nicht zu verheiraten? rie f er. Ja, aber warum denn?

Vater an demselben Abend.                                                                      — M it m einer Vergangenheit, sagte ich m it ge pre ß ter Kehle, w ird keiner den
                                                                                               M ut haben.
— Sei nicht zynisch, a n tw o rte te Papa.

Am nächsten Tage jedoch erfuhren w ir, daß Emmerich die Krise überstanden                      Jacques zö g e rte nicht eine Sekunde, er fra g te n i ch t : A b e r was fü r eine
                                                                                               Vergangenheit denn?
hatte. Ich sang vo r Freude, als ich im Salon die Blumenvasen ordnete, dann

hielt ich inne, Schweiß auf der Stirn.                                                         — C läre, rie f er, du bist nur dumm. Ich w a r im K rieg, w a r bei den N egern
                                                                                               Ich habe mich m it den Rothäuten geschlagen. Ich fürchte mich vo r nichts . . .
— Da bin ich in eine schöne Patsche hineingeraten.

Ja, Emmerich w u rd e ge rettet, und ich siechte darum in Q ualen dahin. Ich                   Als Emmerich von seiner Erholungsreise zurückkam , w a r ich ve rh e ira te t und
                                                                                               erw artete ein Baby.
zählte die Tage, d ie mich noch von seiner Entlassung aus dem Krankenhaus                      Später, als ich geschieden w a r, dachte ich o ft m it zärtliche r Bew underung an
                                                                                               Jacques: Lieber Jacques, tap fe rer Jacques! W elchen M ut hast du doch gehabt!
trennten, auf d ie eine kleine Erholungsreise in die Berge fo lg e n sollte.

Seit de r Stunde, da ich ein W u n d e r be w irkte , hatte ich ihn nicht w ie d e r­

                                        wenn wir früher regelmäßig morgens und                                                                                                 Wer artig is t u n d
                                        abends unsere Chlorodont-Tube zur Hand                                                                                                 “Männchen b a u t ’
                                        nahmen, daß dies auch einmal anders                                                                                                    Treuherzig aus den
                                        sein könnte? — Wohl kaum! Heute kann                                                                                                   Augen schaut.
                                                                                                                                                                               Der kriegt- m it nur
                                        Chlorodont                                                                                                                             ein wemg Glück-
                                                                                                                                                                               vom echten 'FnedeT
                                        nicht immer erhältlich sein. Wir ver­                                                                                                  ab ein Stück.
                                        missen es dann doppelt. Dafür helfen
                                        aber L e o -Z a h n s e ife und C h lo ro d o n t-     F r ie d e ! - B a c k p u l v e r stets zu v e rlä s s ig
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